Winterthur Warriors QB1 Beat Wyss im Interview: «Das Mannschaftsziel war der Titelgewinn der NFFL-B»
Er führte mit seinem Team ONE nicht nur die beste Offense der diesjährigen NFFL-B-Saison, sondern letztlich auch sein Team zum Sieg. Was Siegermentalität, der entscheidende Safety und die «watch me»-Mentalität damit zu tun haben, hat Beat Wyss verraten.
Beat Wyss, herzliche Gratulation zum Aufstieg in die NFFL A. Was ist das für ein Gefühl?
Vielen Dank! Ich bin unglaublich glücklich und stolz! Wir haben die letzten zehn Monate unglaublich hart an diesem Ziel gearbeitet. Wobei das Mannschaftsziel war nie nur der Wiederaufstieg in die NFFL-A, sondern vielmehr der Titelgewinn der NFFL-B. Wir wollten als Team ONE auch die Nummer 1 der Liga sein. Unser Teamname war sehr bewusst gewählt und ein Statement. Den Wiederaufstieg hätten wir auch als Finalverlierer über das Relegationsspiel schaffen können. Wir wollten aber den «Chübel»!
Wie hast du den Finaltag in Zürich erlebt?
Als Tabellenführer im Heimkanton als einer der beiden Favoriten die Playoffs zu bestreiten, beflügelt enorm. Nicht nur Friends and Family waren vor Ort, sondern auch einige Tackle-Spieler der Warriors. Wir haben den Heimvorteil definitiv gespürt und genutzt.
Das Halbfinale konntet ihr mit 50:18 gegen die Blackbucks gewinnen. War für euch von Anfang an klar, dass an diesem Tag nur der Titel zählt?
Ja, wir wollten den «Chübel»! Im Verlaufe der Saison war bald klar, dass es auf ein Finale gegen die Bienna Jets rauslaufen wird. Entsprechend war unsere Herausforderung, dass wir die Mannschaft auch auf den Halbfinalgegner Blackbucks Bern einstellen können und nicht nur auf den Final fokussiert waren. Den Halbfinal musst du in den Playoffs zuerst gewinnen. Die Blackbucks waren während der Regular Season schon ein knackiger Gegner. Im Hinspiel gegen die Blackbucks konnten wir den Siegestouchdown erst 6 Sekunden vor Schluss verbuchen. Und auch im Rückspiel eine Woche vor den Playoffs hielten die Blackbucks bis zur Halbzeit gut mit. Das klare Resultat im Halbfinal war für das Selbstvertrauen im Final dann enorm wichtig.
Im Finale ging es hin und her gegen die Bienna Jets. Schlussendlich konntet ihr mit 29:20 gewinnen. Was macht den Unterschied?
Wie sagt man so schön: «Offense gewinnt Spiele, Defense gewinnt Championships». Unsere Defense um Captain Patrick Rüfenacht machte einen super Job. Sie hielten uns im Spiel, als wir in unserem ersten Offense-Drive gerade einmal zwei Yards schafften. Ein Pick-6 von Ramon Winter bereitete den Turnaround vor. Der spielentscheidende Moment war dann der Safety von unserem jüngsten Teammitglied Ivo Bellwald, welcher uns zwei Punkte einspielte und so den Vorsprung auf neun Punkte ausbaute. Ein Two-Score-Game nimmt enorm viel Druck aus der Offense, so konnten wir am Ende die Uhr entspannt runterspielen.
Ivo spielt eigentlich in der Tackle-U19 der Warriors, welche auf Grund zu weniger Spieler diese Saison keine Mannschaft stellen konnte. Er war zu jung für die Tackle-Seniors und zu alt für die Tackle-U16. Er wusste, dass er als Teenager doppelt so hart arbeiten musste, um in der Erwachsenenliga bestehen zu können. Dass er nun den spielentscheidenden Safety verbuchen konnte, wird ihn wohl noch lange zu Bestleistungen motivieren.
Was ging dir beim Abpfiff durch den Kopf?
WE DID IT!!! Team ONE ist Number ONE!
Wie wurde der Aufstieg gefeiert?
Als erstes natürlich mit viel Champagner im Gesicht bei der Pokalübergabe. Danach gings in die Lounge zu unserem Trikotsponsor «No.18» in Winterthur für die Siegeszigarre. Der DJ im späteren Bolero-Club lud uns noch spontan in die DJ-Lounge ein. Ein kleiner VIP-Moment.
Gab es während der Saison jemals Zweifel am Aufstieg? Als Absteiger wart ihr ja zum Siegen verpflichtet.
Während der Saison nicht mehr. Viel mehr vor der Saison. Wir legten im November das Absteigerteam mit unserem B-Team zusammen und mussten so zuerst eine neue Teamstruktur und Teamkultur schaffen. Entsprechend waren die ersten Resultate im Vorbereitungsturnier und Trainingstag mit anderen Teams eher durchzogen. In der Folge prognostizierten die Experten im Flagfootball-Podcast von Endzone.ch vor Saisonstart, dass unser Team den letzten oder zweitletzten Platz belegen wird. Das Team ONE reagierte mit einer «watch me»-Mentalität und ging an die Arbeit.
Wie ist es für dich persönlich als Quarterback, dein Team in die Nati A zu führen?
Natürlich ist es cool, als QB1 einen Titel zu gewinnen. Aber der echte Keypoint war, dass wir uns im Führungsteam auf die jeweiligen Stärken fokussierten. So erarbeitete unser Offense-Coordinator Fabio Neuhaus ein grandioses Playbook, unser Headcoach Timo Hager trimmte die Mannschaft auf den wichtigen Football-Skills und ich durfte das Team als Quarterback zur Höchstleistung führen. Auf der Defense-Seite kam mit Captain Patrick Rüfenacht und Beni Fabbro viel Erfahrung aus Flag- und Tacklefootball zusammen. Eine echte Champions-Mischung.
Wie konntet ihr aus dem bunten Haufen aus abgestiegenen A- und bestehenden B-Spielern plus Neuzugängen ein Team formen?
Am Anfang gab es sehr viele Gespräche, Diskussionen, Abstimmungen und Wahlen. Bis sich ein Leadership-Team formierte, welche die Mannschaft auch führen konnte. Das Credo am Anfang war «Competition». Wir wollten die besten Spieler der Warriors in unserem Team haben. Auch als die Nationalspielerin Désirée Sommer zu uns stiess, war von Anfang an klar, dass es keine Sonderbehandlung geben wird und wir alle Teammember mit dem gleichen ONE-Massstab messen würden. Sie schaffte nicht nur den Cut auf die 16 Rosterspots, sondern wurde auch in einigen Spielen zum MVP gewählt. Für mich war es von Anfang an wichtig, eine Winner-Mentality im Team zu installieren. Darum haben wir nie vom Aufstieg, sondern immer vom Titelgewinn gesprochen. Ich wollte als Quarterback eine Highpower-Offense, welche jedes Spiel dominiert. Mit durchschnittlich 41 Punkten pro Spiel waren wir die klare Punktemaschine der Liga. Die zweitbeste Offense der Liga erzielte in 16 Spielen fast 100 Punkte weniger als wir.
Nun seid ihr zurück in der Nati A. Was wird das Ziel in der kommenden Saison sein?
Das Mindestziel wurde vom Warriors-Vorstand bereits definiert und lautet «Etablierung in der Nati-A». Ob dieses Mindestziel der Mannschaft auch genügt oder ob der Hunger grösser ist, werden wir in den nächsten Wochen evaluieren.
Was hast du für dich persönlich als Sportler während diesem Playoff-Run gelernt?
Setz dir ein hohes Ziel, sprich oft darüber und mach es zu deiner Priorität. Natürlich hilft es enorm, wenn dich deine Partnerin bei deinen Zielen unterstützt und dir den Rücken stärkt. Der Titelgewinn war dieses Jahr für mich allgegenwärtig. Ich habe wohl seit März jeden Abend vor dem Einschlafen an Flagfootball gedacht. Ich habe meinen Urlaub nach dem Spielplan geplant und die beiden Mannschaftstrainings jede Woche hatten für mich absolute Priorität. Man sagt ja nicht umsonst «Hard work beats talent when talent doesn’t work hard».
Zur Person:
Beat Wyss, 34 Jahre, Quarterback, spielt seit neun Jahren Flagfootball bei den Warriors. Davor war er als Runningback während 10 Jahren in der Tackle-Abteilung der Warriors aktiv. Er wohnt in Winterthur und ist passionierter Fan des NFL-Teams Cincinnati Bengals.
Text: Jan Isler
Bilder: @alice_snapshots / Alice Malherbe
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