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Der Schweizer Football in der Klemme

Wird 2021 Football gespielt?

Diese Frage stellt man sich nicht nur in der Football-Schweiz sondern auch in den Nachbarländern. Während die Österreicher in der höchsten Spielklasse schon kommende Woche beginnen wollen, wird der GFL-Start in Deutschland im Juni erwartet. Der französische Verband hat die Football-Saison 2021 vorsorglich abgesagt.

Spielplan NLA und U19 2021 steht. Aber…

Die Vereins- und Verbandsverantwortlichen haben sich vor einigen Wochen darauf geeinigt, dass in der NLA und U19 Elite im Frühling/Sommer gespielt werden soll. Die unteren Ligen wollen wie im vergangenen Jahr eine Herbstmeisterschaft veranstalten (wir haben darüber berichtet). Der Spielplan für die NLA und Elite-U19 ist fixiert. Lediglich wenige Details sollen noch offen sein. Um Ende Mai sicher in die Saison starten zu können, sind die Teams nun auf eine gewisse Anzahl Trainings unter normalen Bedingungen angewiesen. Dafür notwendig wäre die Anhebung der NLA-Mannschaften auf das semiprofessionelle Level um damit mit den deutschen und auch österreichischen Ligen gleichzuziehen. Diese Statusänderung müsste in den nächsten Wochen erfolgen. Sonst bestehen nicht genügend Trainingsmöglichkeiten vor den ersten Ernstkämpfen. Soweit die Theorie und der Wunsch von Verband und einigen Vereinsvorständen.

American Football in der Schweiz steckt in der Klemme

Während im Juniorenbereich das Trainingsverbot aufgehoben wurde und die U16 und U19 Mannschaften trainieren können, gilt die 15er Regel für die Seniors weiterhin fast überall in der Schweiz. Das eingeschränkte Trainingsprogramm lässt keinen Kontakt zu und verbietet auch vereinsinterne Testspiele. Tacklings sind verboten und viele Abläufe können nur angedeutet aber nicht end-to-end durchgespielt werden. Dies wäre dringend notwendig, um die Spieler wieder in den Wettkampfmodus zu bringen. Mangels Aussicht auf einen Spielbetrieb und dank interessanter Alternativ-Angebote könnten weitere junge Talente aus dem nahen Ausland abgeworben werden. Dadurch gingen Jahre der Aufbauarbeit in den Vereinen verloren. Und Aufsteiger aus den U19-Abteilungen könnten den Anschluss an die Herren-Teams verlieren wodurch ein ganzer Jahrgang wegbrechen könnte.

Mit dem Entscheid des Bundesrates von vergangenem Freitag dürften weitere Lockerungen im Breitensport weiter auf sich warten lassen.

Wie lässt sich das Problem erklären?

Nach wie vor gilt die „Covid-19 Verordnung Besondere Lage“. In Artikel 6 Abs. d heisst es:

Trainingsaktivitäten und Wettkampfspiele von Teams, die einer Liga mit professionellem oder semiprofessionellem Spielbetrieb oder einer nationalen Nachwuchsliga angehören; ist der Spielbetrieb nur in der Liga eines der beiden Geschlechter professionell oder semiprofessionell, so dürfen die Trainingsaktivitäten und Wettkampfspiele auch in der entsprechenden Liga des anderen Geschlechts stattfinden.

Die Einstufung in die Kategorie semiprofessionell wird gemäss einem Q&A von Swiss Olympic wie folgt vorgenommen:

… Gemäss Vorgaben des Bundes entscheidet der jeweilige nationale Sportverband, ob und welche seiner Ligen einen professionellen oder semiprofessionellen Spielbetrieb haben und entsprechend Trainings- und Wettkampfaktivitäten aufnehmen kann (wenn ein Schutzkonzept vorhanden ist). Ausschlaggebend ist aber die Einschätzung der Kantone, ob ein Team mit Sitz im Kanton als (semi-)professionell einzustufen ist. …

Der SAFV hat, in Rücksprache mit den betroffenen Vereinen, die NLA auf die Stufe „semiprofessionell“ gesetzt. Fast alle NLA Teams verfügen neben dem Leistungssportteam über Abteilungen, welche dem Breitensport zuzuordnen sind (Flag Football, Damenmannschaften) oder man arbeitet offiziell oder lose mit benachbarten Footballvereinen aus anderen Ligen zusammen um den Breitensport zu fördern.

SAFV Antrag nicht zugestimmmt

Nach Auskunft von SAFV-Präsident Claudio Spescha hat die vom Bund und Swiss Olympic eingesetzte Expertengruppe dem Antrag nicht zugestimmt. Deshalb fehlt die NLA auf der Liste der freigegebenen Sportarten. Diese Liste bildet aber die Grundlage für die Freigabe durch die Kantone… Aus der Liste von Swiss Olympic lässt sich ablesen, dass die Hallenteamsportarten Basketball, Volleyball, Handball und Unihockey die Freigabe erhalten haben. Im Fall von Schwingen wurden 120 Athleten definiert, welche trainieren dürfen. Claudio Spescha befürchtet gar, dass kaum mehr Chancen auf eine Neubeurteilung bestehen.

Vereinfacht bedeutet dies, dass bspw. die Calanda Broncos eine Gleichbehandlung wie die Thurgau Grenadiers erleben. Der Europacupteilnehmer und Rekordmeister, der im Frühling die Schweiz international vertreten soll, steht damit auf der gleichen Stufe wie ein frisch gegründetes Flag Football Team, welches kaum eine Trainingseinheit absolviert hat.

Wie grenzen sich Leistungs- und Breitensport im American Football ab?

Die Unterteilung in Leistungssport und Breitensport könnte unter anderem durch die Ligazugehörigkeit vorgenommen werden. Die Winterthur Warriors und die Zurich Renegades gehören zu den grössten Football-Clubs des Landes. Sie grenzen sich von den in Dübendorf beheimateten Zurich State Spartans oder den Schaffhausen Sharks ab, welche beide der NLC zugehören. Dies nicht nur bei den Erwachsenen sondern auch im Nachwuchsbereich. Wo nebst einem kompletten Flag Football Angebot auch etablierte Nachwuchsprogramme existieren. Die Warriors und die Renegades bieten Leistungssport (NLA, U19) und Breitensport (Flag Football, Frauenfootball) an. Exakt dieselbe Beobachtung lässt sich in der Westschweiz machen: Die Geneva Seahawks sind im Leistungssport und Breitensportangebot tätig, während die benachbarten Geneva Whoppers und weitere rund um den Genfersee beheimatete Football-Vereine zu den Breitensport-Anbietern gezählt werden. Diese Sicht gilt auch für die Regionen Basel, Bern und Chur.

Wie weiter?

Verloren ist noch nichts. Dafür müssen die NLA-Vertreter möglichst zeitnah durch die Kantone eine Freigabe der Trainingsaktivitäten erhalten. Das Wettkampfverbot müsste dann spätestens Mitte Mai fallen. In den Ligen NLB und NLC bestehen noch Zeitreserven, da mit einem Saisonstart im August geplant wird.

Wie Claudio Spescha bestätigte, trifft sich die Verbandsspitze an diesem Wochenende zu einer Verbandsklausur. Sehr wohl möglich, dass die Saison 2021 dort ein Traktandum sein wird…

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