SAF Swiss American Football Kein Machtwechsel an der Spitze

Kein Führungswechsel im SAFV

Kein Führungswechsel im SAFV

An der 41. Delegiertenversammlung des Schweizer American Football Verband kam es zur Kampfwahl zwischen dem seit 2019 amtierenden Präsidenten Claudio Spescha uns der Herausforderin, Helen Kobelt. Im August kündigte Kobelt ihre Kandidatur über ein E-Mail an alle Vereine des Verbandes an. Wir haben Ende August darüber berichtet und ein Interview mit Helen Kobelt eingeplant. Dieses kam leider nicht zustande.

Interview löste Diskussionen aus

Ende November sorgte ein Print- und Video-Interview mit Helen Kobelt in der „Südostschweiz” für Diskussionen (Artikel nur hinter Paywall). Darin wurden Missstände im Verband angesprochen. Darunter die zu spät erfolgte Bezahlung der Schiedsrichter. Diese dürfte auf die Liquiditätsplanung des Verbandes und die schwache Zahlungsmoral einzelner Vereine zurückzuführen sein, was die Situation erklärt aber nicht entschuldigt.

Auch wurden potenzielle Interessenskonflikte von Spescha in Bezug auf seine Rolle als Verbandspräsident und Teilhaber an einem Zulieferer, Ausrüster und Sponsor des Verbands diskutiert. Diese Tatsache war bereits 2019, vor seiner Wahl ins Präsidium, bekannt. Eine entsprechende Stellungnahme von Spescha hatte die Zeitung online publiziert und auch in der Printversion abgedruckt.

Die im Bericht erwähnte Rolle von Kobelt als „Retterin des American Footballs in der Schweiz“ wurde innerhalb der Szene kontrovers diskutiert. Am Vorabend der Delegiertenversammlung bezog Spescha zu diesem Thema Stellung. Dabei konnte nicht abschliessend geklärt werden, was die Kontakte von Kobelt ins Bundeshaus ausgelöst hatten.

Spescha klar wiedergewählt

Die Abstimmung fiel gemäss Aussagen diverser Quellen klar zu Gunsten des bisherigen Präsidenten aus. Die Delegiertenversammlung hat dem aktuellen Vorstand also das Vertrauen ausgesprochen. Einige von Helen Kobelt hervorgebrachten Kritikpunkte, welche sowohl in Interview als auch im uns vorliegenden Bewerbungssschreiben enthalten waren, dürften durchaus ihre Berechtigung haben. Daher geht für Spescha mit der Wiederwahl die Verantwortung einher, die von Helen Kobelt vorgebrachten Punkte zu analysieren und wo nötig, die Situation zu verbessern.

 

Baustellen bleiben

Was sicher ist: Der Verband funktioniert deutlich besser als noch vor Speschas Amtsantritt. Die J+S-Anerkennung konnte erfolgreich umgesetzt werden, das ist ein wesentlicher Schritt für die Sportart und den Verband. Weiter wächst der Bereich Flag Football kontinuierlich, was im Hinblick auf die olympischen Spiele 2028 in Los Angeles sehr zuversichtlich stimmt. Neben den grossen Organisationen als Zugpferde sind weitere, kleinere Vereine hinzugekommen.

Gewisse Baustellen sind aber nicht erledigt oder werden sogar noch grösser. Dazu gehört die fehlende Vermarktung und die kaum vorhandene externe Kommunikation des Verbandes, welche sich mehrheitlich auf Social Media beschränkt. Ohne die aktive Medienpräsenz einiger Vereine würde man die Sportart in der Schweiz kaum wahrnehmen. Der Verband konnte keine substanziellen Sponsoren oder Werbepartner gewinnen. Ob das NFFL-Ligasponsoring neu verhandelt wird ist nicht klar. Schliesslich ist Flag Football nun eine olympische Sportart und wird mit Sicherheit an Stellenwert, auch finanziell, gewinnen. Wichtig wäre auch ein nationales Programm zur Gewinnung von Nachwuchsspielern, andere Sportarten haben es vorgemacht.

Swiss Bowl besser, aber…

Hinsichtlich des Swiss Bowl als Verbandsevent scheint man auf einem guten Weg. Die Veranstaltung erzielt aber noch nicht die erhofften Erträge, dies trotz verbesserter Organisation und interessanterem Rahmenprogramm. Das finanzielle Ergebnis bleibt ungenügend und Helen Kobelts Hinweis, dass Vereine wüssten, wie man erfolgreiche und auch kommerziell interessante Gamedays organisiert, dürfte zutreffend sein. Die Broncos haben viel Erfahrung darin, das Stadion war 2023 mehrfach ausverkauft. Ob und wie sich dieses Modell aber auf den Swiss Bowl übertragen lässt, ist nicht klar. Denn es ist ein Unterschied, ob man ein Heimspiel im eigenen Stadion vermarkten kann oder erst wenige Tage vor dem Endspiel weiss, wie die beiden Finalisten in einem Stadion ohne Bezug zu irgendeinem Football-Verein heissen. Dabei wäre ja einer der Finalteilnehmer schon fast gesetzt…

…und das dürfte Teil des Problems sein. Der Event “Swiss Bowl” leidet unter der ungebrochenen Dominanz der Calanda Broncos. Seit Jahren, können die Bündner, mit wenigen Ausnahmen, alle ihre Meisterschaftsspiele gewinnen. Den Broncos kann man keinen Vorwurf machen. Die anderen Teams schaffen es kaum aufzuholen. Sie stehen sich teilweise selber im Weg. Und das wird zum Problem für den gesamten Schweizer Football.

Zuviele Senior Tackle Teams senken das Niveau

In den Grossregionen zwischen Genf, Bern und Zürich besteht ein Überangebot an Tackle Teams. Die Eintrittsschwelle für Neueintritte in die Liga C und auch der Aufstieg in die NLB ist offensichtlich zu tief. Die Nachwuchsarbeit fehlt häufig, dadurch werden  nicht genügend Spieler für die Seniors-Kategorie ausgebildet. Die Folgen sind klar. Insbesondere wenn zusätzlich ein ELF-Team den Spieler-Markt durcheinander bringt. Hier wäre aus unserer Sicht und aus Gründen der Qualitätssicherung der Verband gefordert einzuschreiten.

Neugründungen sollen nicht verhindert werden. Aber die Hürden für Ligaeintritte sollten diskutiert werden. Die jungen Organisationen sind teilweise so knapp aufgestellt, dass Forfaits wegen Nichtantretens, gesperrter Plätze oder sonstigen Gründen sehr häufig waren. Die Konsequenz: Jede Spielabsage muss beurteilt werden, was die Technische Kommission, die Spielplan-Verantwortlichen und auch den Rechtsberater unnötig belastet. Auch diese Mehrfachbelastung in den Kommissionen hat Kobelt angesprochen.

Schliesslich müssen fehlbaren Teams hohe Bussen und Ersatzabgaben für die um Heimspiele geprellten Gegner in Rechnung gestellt werden. Ohne Reserven wird dies rasch existenzbedrohend. Ein nicht dosiertes Wachstum im Tackle Bereich scheint also weder dem Verband noch den Ligen zu helfen.

Dem Vorstand des SAFV wird die Arbeit also kaum ausgehen. Die Verbandsspitze wird mit den neu gewählten Personen in der operativen Führung rasch die Priorisierung der Themen vornehmen müssen. Dabei sind sie gut beraten, die von Helen Kobelt vorgetragenen Punkte im Auge zu behalten und wo möglich die notwendige Transparenz zu schaffen.

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