Swarco Raiders gewinnen CEFL Bowl in einem hochspannenden Spiel

Horror Start für die Broncos

Was wurde vor diesem Spiel nicht alles vorausgesagt: Chancenlos seien die Bündner, das Football-Powerhouse Swarco Raiders werde die Broncos dominieren, die Österreicher würden mit mehreren Touchdowns Unterschied gewinnen… Und der Start ins Spiel schien alle Befürchtungen zu bestätigen. Schlimmer konnte es eigentlich gar nicht kommen. Die Calanda Broncos gewannen den Coin Toss, entschieden sich für Ballbesitz in der zweiten Hälfte und übernahmen den Kickoff. Und gleich die erste Ballberührung der Swarco Raiders führte zu einem Kickoff-Return Touchdown durch ihre #8 Darius Robinson. Ein Raunen ging durchs volle Stadion. Sollten sich die Voraussagen bewahrheiten? Unbeirrt von diesem Schlag marschierten die Bündner aber gleich in die Gegenrichtung. Adrian Sünderhauf erzielte den Ausgleich zum 7:7 (PAT good) nach rund sieben Minuten. Kurz darauf standen die Österreicher wieder vor der Endzone der Bündner. Dieses Mal konnten die Gastgeber die Angriffe stoppen, lediglich ein Field Goal zum 7:10 mussten sie zulasssen.

Im zweiten Viertel kämpften sich die Broncos bis an die gegnerische 25 Yard-Line vor. Im vierten Versuch scheitern sie wegen ganz wenigen Inches und müssen den Ball an die Österreicher übergeben.

Nun sind es wieder die Raiders, welche munter in Richtung gegnerische Endzone arbeiten und von der Broncos-Defense an der 5 Yard-Line gestoppt werden können. Die Gäste schickten die Field Goal Formation aufs Feld und prompt konnten die Broncos diesen Versuch unterbinden.

Broncos übernehmen die Führung

Kurz nach der 2-minute warning der Referee-Crew bekamen die Calanda Broncos noch einmal eine Gelegenheit zu punkten. Und genau dies nutzten sie geschickt aus. Mittels einem knapp 40 Meter Pass von Manning auf Sünderhauf übernehmen sie die 14:10 Führung. 21 Sekunden vor der Halbzeit standen die Raiders an der Bündner 12 Yard-Line. Und bleiben zweimal erfolglos, entscheiden sich wieder für einen Versuch ein Field Goal zu erzielen – und scheitern wieder.

Ein Spiel auf Augenhöhe

Die beiden Teams spielten absolut auf Augenhöhe. Die über 1000 Zuschauer bekamen erstklassigen American Football serviert, die vielen mitgereisten Raiders Fans hatten sich zur Halbzeit sicher ein anderes Skore vorgestellt. Und das Erstaunen musste gross sein, als die Broncos zu Beginn des dritten Viertels einen vierten Versuch ausspielten und mittels Pass auf Lukas Lütscher einen weiteren Touchdown zum 21:10 registrieren konnten.

Schlag auf Schlag

Nun ging es Schlag auf Schlag: Die Raiders verkürzen, die Broncos erhöhen wieder. Etwa zwei Minuten vor Ende des dritten Viertels lagen die Österreicher mit 17:28 zurück. Doch nach einem weiteren sehenswerten Return bis an die 30 Yard Line des Gegners holten sich die Raiders mit viel Power die nächsten Punkte und stellten für eine 2-Point Conversion auf. Der Rückstand schmolz auf 3 Punkte.

Knappe Entscheide für die Broncos

Nun erzielte der neue Import-Spieler der Broncos einen sehenswerten Touchdown zum 35:25. Diesem Punkt waren aber zwei sehr knappe Entscheide für die Broncos vorangegangen. Im einen Fall konnte ein Passempfänger den Ball auf sehr unkonventionelle Art und unter Zuhilfenahme seiner Füsse am Boden liegend doch noch irgendwie sichern. Diese Szene spielte sich unmittelbar vor der Raiders-Teamzone ab und die Schiedsrichterentscheide wurden entsprechend kommentiert. Im zweiten Fall wurde eine Berührung des Receivers als Pass Intereference ausgelegt, wodurch die Broncos zu einem neuen First Down kamen. Auch hier waren die Proteste von der Raiders-Bank und auch von den vielen mitgereisten Fans nicht zu überhören. Wer nun aber damit rechnete, dass die Raiders nachlassen würden, täuschte sich gewaltig. 7:25 vor Schluss erzielten sie mit einem weiteren Kickoff Return Touchdown das 35:32.

Manning mit einer erstklassigen Leistung

Das Spiel gewann nun noch mehr an Dramatik. Der Druck auf Quarterback wurde immer grösser. Aber er behielt die Nerven, setzte zu einem weiteren Pass auf Max Gray an und fand diese Anspielstation – trotz der Hand des Gegners an seiner Schulter: 42:32 Touchdown. Nun folgte möglicherweise eine der spielentscheidenden Szenen. Broncos Coach Buffum liess einen Onside-Kick durchführen, die Ausführung war aber eher mittelmässig und so kamen die Raiders etwa an der Mittellinie zum Einsatz. Diese gute Ausgangslage nutzen sie sofort aus und reduzierten den Rückstand wieder auf 42:39.

Die wichtigen zwei Minuten

Schafft es ein Team in den letzten zwei Minuten den Ballbesitz zu halten und neue First Downs zu erzielen, dann reicht das meistens zum Sieg. Doch ausgerechnet jetzt wurden die Broncos zu einem Punt gezwungen. Dieser rollte zwar bis an die 5 Yard-Linie der Tiroler… Aus dieser misslichen Lage konnten die Raiders aber trotzdem das Spiel noch einmal drehen und mittels einem weiteren Touchdown zum 42:46 in Führung gehen. Aber das Spiel war noch nicht aus! 8 Sekunden vor Schluss bediente Manning seinen Receiver Lütscher in der Endzone, dieser fing den Ball, stand aber bereits seitlich ausserhalb des Feldes. Nun waren nur noch 4 Sekunden auf der Uhr. Vermeintlich derselbe Spielzug, der Ball segelt in Richtung Endzone, Lütscher war am richtigen Ort… aber seine Gegenspieler auch und hinderten diesen am Sieg bringenden Touchdown. Gleichzeitig lief die Uhr aus und das Spiel war vorüber!

Beide hätten den Sieg verdient gehabt

Die Raiders konnten sich diesen Sieg mit 46:42 sichern. Wäre der letzte Pass angekommen – es wären die Broncos gewesen, die gewonnen hätten. Beide Teams hätten diesen Sieg verdient gehabt. Aber Unentschieden gibt es im Football eigentlich nicht. Die beiden Mannschaften lieferten sich einen offenen Schlagabtausch, dem Publikum wurde ein High Scoring Game auf hohem Niveau geboten. Einmal mehr sehr gute Werbung für American Football.

Football Schweiz kann stolz sein auf die Broncos

Die Football Schweiz darf und sollte stolz auf die Leistung „ihres“ Vertreters sein. Offensichtlich können die Broncos mit dem Powerhouse aus dem Nachbarland mithalten. Und wenn die Entwicklung in den anderen Vereinen weiter so voran geht, die Professionalisierung weiter voranschreitet und insbesondere weiter in die Ausbildung von Trainern und Talenten investiert wird, könnte sich das Niveau in der Schweiz über die Zeit an dasjenige der Nachbarländer anpassen.

Vorbildliche Organisation des Gamedays

Die Calanda Broncos haben den Zuschlag für die Austragung des Finals erhalten, weil das eigentlich vorgesehene Tivoli Stadion in Innsbruck anderweitig belegt war. In den wenigen Tagen Vorbereitungszeit haben die Verantwortlichen der Broncos einen perfekten Gameday vorbereitet und durchführen können. Das altgediente Stadion war ausverkauft. Kein einziger Sitzplatz blieb leer und die übrigen Fans verteilten sich um das Spielfeld herum. Die Stimmung in Chur ist meistens laut und grossartig. Gestern dürfte die gewohnte Lautstärke aber sicher übertroffen worden sein. Hammermässige Stimmung!

Die Vorbereitung des Spielfeldes im Zeitraffer

Das Spiel in voller Länge