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Das Hännimal-Interview

Tim Haenni Interview endzone.ch Bildquelle Lars Kauz

The Hännimal im endzone.ch-Interview

Tim Hänni bleibt ein Guard

Endzone.ch: Heute wurde bekannt, dass du auch in der kommenden Saison wieder für die Guards spielen wirst. Das ist ein starkes Zeichen für die Franchise.

Hänni: Ja, eigentlich ist es schon ein paar Tage her seit ich zugesagt und unterschrieben habe. Heute Mittag wurde es dann veröffentlicht. Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit erkennt, dass die Stammspieler zurückkehren und das Team unterstützen.

Die Woche eines ELF Spielers

Endzone.ch: Einerseits bist du Hännimal auf dem Platz, du wurdest du auch zu einem der Protagonisten der neuen ELF Dokumentation «Beyond the Huddle». Wir konnten die ersten beiden Episoden im ELF Gamepass schauen. Man sieht dich einerseits auf dem Feld, aber eben auch auf der Baustelle als Bauarbeiter. Wann wurde die Serie gedreht?

Hänni: Die Aufnahmen fanden während der Saison statt. Und ja, es ist richtig, ich arbeite zur Zeit noch Vollzeit. Und das bedeutet bei uns auf dem Bau im Sommer Arbeitsbeginn um 07.00 Uhr, 9 Stunden Schicht, dazwischen etwas Pause. An einem typischen Montag arbeite ich etwa bis 17.15 Uhr und gehe dann direkt ins Gym: Leg Day. Am Dienstag sieht es ähnlich aus, ich konzentriere mich dann auf den Oberkörper. Mittwochs treffen wir uns im Raum Luzern für das Mannschaftstraining. Das bedeutet, dass ich um 17.15 kurz nach Hause fahre und dort von einem Teamkameraden abgeholt werde. Die Fahrt dauert um diese Zeit rund 1 Stunde 20. Dann wird trainiert bis knapp 21.30 Uhr. Mit der Rückfahrt bin ich um 22.30 Uhr zuhause. Am Donnerstag gibt es nach dem «Büglä» eine weiter Gym-Session. Und während andere am Freitagabend in den Ausgang gehen, treffen wir uns wieder in Luzern. Dasselbe am Samstagmorgen. Wenn wir ein Sonntagsspiel zuhause haben, habe ich am Samstagnachmittag einen halben Tag frei.

Endzone.ch: Bleibt da noch Zeit für irgendetwas neben dem Football?

Hänni: Kaum. Meine Freundin sieht mich während der Saison tatsächlich sehr wenig. Sie unterstützt mich aber stark und hilft mir auch mit dem mentalen Druck besser umgehen zu können. Aber es ist tatsächlich so, dass das Social Life leidet. Damit geht nicht jeder im Umfeld gleich um. Bei Auswärtsspielen sind wir teilweise schon ab Freitagabend unterwegs. Da bleibt wirklich nicht mehr viel Zeit.

Endzone.ch: Verglichen mit deiner Zeit in Hamburg ist das doch eine Umstellung?

Hänni: Ja. In Hamburg war ich einer der E-Spots. Neben den sechs Europäern welche die E-Spots besetzen gibt es noch 4 Amerikaner. Wir waren ausschliesslich für Football in Hamburg und konnten so unseren Tag ganz anders planen. Ich habe diese Zeit gewissermassen als Profispieler leben dürfen. Das war auch ein gutes Erlebnis. Natürlich musste ich mir eine Tagesstruktur zurechtlegen. Man steht halt etwas später auf, trifft sich dann im Gym und macht am Nachmittag die Video Sessions. Ich möchte die Zeit nicht missen. Aber was in Hamburg gleich wie bei den Guards ist: Die Trainings mit dem ganzen Team finden abends statt. Die meisten arbeiten neben dem Sport oder sind Studenten.

Tim Hänni #96 am Spiel Helvetic Guards gegen Stuttgart Surge 2023. Fotograf: Rico Doninelli

Football is family? Ja oder Nein?

Endzone.ch: Football is family, das wird immer wieder gesagt. Bei den Guards wurdet ihr sehr rasch zu einer Familie. Dabei kommt ihr aus vielen Vereinen der Schweiz zusammen. Was war anders als beispielsweise in der Nationalmannschaft?

Hänni: Ich glaube, da die Guards ein ganz neues Projekt waren mit erstklassigen amerikanischen Coaches war das etwas anders. Jeder, der dabei war, wusste was die ELF ist. Ich hatte schon früh Kontakt mit Norm Chow, unserem Head Coach, um diesen Zusammenhalt zwischen den Spielern herzustellen. Bis vor kurzem waren wir alle Rivalen. Nun kämpfen wir für die gleiche Sache. Natürlich für die Guards, aber eben auch um den Football in der Schweiz weiterbringen zu können. Jeder musste über seinen Schatten springen – und das haben wir sackstark gemacht.

Endzone.ch: Wie gross schätzt du den Schritt von der NLA in die ELF ein?

Hänni: Es ist ein sehr grosser Step, das muss man sich einfach bewusst sein. Es ist viel schneller, technisch viel anspruchsvoller und man muss sich einfach beweisen können. Andernfalls kannst du in dieser Liga nicht Fuss fassen. Einige haben das gemerkt, einige haben nach einer Ansprache von mir im Training entschieden nicht weiter zu machen. Entweder weil sie sich zeitlich nicht committen konnten oder es wirklich an der Qualität gefehlt hat. Wir müssen alle zusammen arbeiten, es ist kein Einzelsport und wird es nie sein.

Endzone.ch: Von Aussen konnte man beobachten, dass diese Zusammenarbeit sehr rasch funktioniert hat. Ihr hattet auch wirklich starke Import-Spieler. Was macht es mit dir, wenn du erfährst, dass ein Spieler wie Maceo Beard sich für ein anderes Team entscheidet?

Hänni: Auf der einen Seite hätte ich sehr gern mit Beard eine weitere Saison zusammen gespielt. Aber ich verstehe ihn natürlich. Er hat jetzt die Chance zuhause zu spielen. Das war ja auch für mich der Grund in die Schweiz zurückzukehren. Aber auf der anderen Seite glaube ich, dass es viel wichtiger ist, wenn wir die Homegrown Spieler halten können. Das ist jetzt nicht falsch zu verstehen. Die sechs Europäer und vier Amerikaner sind wichtig. Aber die Schweizer Spieler sind umso wichtiger, denn ohne sie gibt es keine Guards. Amerikanische Spieler gibt es viele auf dem Markt. Viele, die es nicht in die NFL geschafft haben sind offen für Engagements in der ELF. Etwas anders sieht es bei den Europäern aus, klar. Bei Maceo Beard muss man anerkennen, dass er zu den besten Talenten in dieser Liga gehört. Logisch bekommt er Angebote. Logisch ist er stolz, wenn er für sein eigenes Land spielen kann.

Commitment!

endzone.ch: Das Wort Commitment hört man immer wieder…

Hänni: Ja, das ist das A&O. Ohne geht es nicht. Ich spreche mit vielen Spielern bevor sie bei uns unterschreiben, versuche mit jedem Kontakt aufzunehmen. Und jedem sage ich: Du musst wirklich committed sein. Es ist ein hartes Stück Arbeit bei den Guards. Die Saison ist intensiv, sie dauert lange. Und vielleicht bist du nur Teil des Practice Squad. Es kann sein, dass du nie auf dem Feld stehst. Keiner kann einfach zu uns wechseln und dann ein bisschen im Team sein. Das funktioniert nicht.

Endzone.ch: Wenn du das mit der Schweizer Liga vergleichst?

Hänni: Dann ist das ähnlich. Ganz häufig sind es U19-Spieler, welche den Schritt zu den Seniors machen könnten. Sie waren bei den Junioren der Star nun müssen sie vielleicht ein paar Spiele, vielleicht eine Saison untendurch. Manche trauen sich nicht zu in der NLA zu spielen. Dabei hätten sie das Zeugs wirklich dazu. Und manche sind sich zu schade die Extrameile zu gehen. Das finde ich schade.

Die Saisonvorbereitung läuft

Endzone.ch: Zurück zu dir. Die neue Saison startet im Mai. Nun ist Vorbereitung angesagt. Wie gehst du das an?

Hänni: Ich habe einen Trainer der mir die Trainingspläne schreibt. Jetzt in der Offseason geht es darum soviel Kraft wie möglich aufzubauen. Im Januar beginnen wir athletisch zu trainieren, Sprint Trainings und natürlich spezifische D-Line Übungen. Die mache ich zusammen mit zwei bis drei anderen Defensive Line Spielern, da trainieren wir zusammen. Aber etwas muss man sich bewusst werden: Je höher du spielst, desto weniger spielt deine Kraft und das Gewicht eine Rolle. Viel wichtiger ist der Football IQ! Gerade in der D-Line behaupte ich, stehen wir alle mehr oder weniger auf Augenhöhe. Klar, die Offensive Line gewisser Teams sind uns noch voraus. Aber eben: Spielverständnis ist hier viel wichtiger als die Masse.

Endzone.ch: Da hast du dank deiner Zeit in Hamburg Vorteile.

Hänni: Ja genau. Ich konnte sehr viel von Kendral Ellison, dem neuen Head Coach der Munich Ravens profitieren. Er war mein Defensive Coordinator in Hamburg. Als Import-Spieler konnte ich viel mit ihm zusammen arbeiten und von ihm lernen. Ihm habe ich einiges zu verdanken.

Tim Hänni #96 am Spiel Helvetic Guards gegen Stuttgart Surge 2023. Fotograf: Rico Doninelli

Angenommen du hättest eine Zeitmaschine…

Endzone.ch: Angenommen du hättest eine Zeitmaschine und könntest den 14jährigen Tim treffen. Was würdest du ihm sagen?

Hänni: (lacht) Gute Frage. Ich glaube, ich würde ihm empfehlen ein wenig früher mit Athletik zu beginnen. Geh ein bisschen weniger feiern. Und trau dich! Hätte ich damals gewusst, wie man an ein US College kommt, hätte ich es versucht. Zum Glück gibt’s heute Angebote wie Europe’s Elite. Das gab es damals noch nicht.

Endzone.ch: Und nun drehen wir es um. In 10 Jahren bist du 37 und schaust zurück. Was siehst du?

Hänni: Ich werde auf eine erfolgreiche Football-Karriere zurückschauen. Und das auch ohne den Sprung in die NFL geschafft zu haben. Ich werde mich an ein erfolgreiches 2024 erinnern. Wir werden Geschichte geschrieben haben mit den Guards und Football in der Schweiz viel populärer gemacht haben. Ich hoffe, dass ich helfen konnte, eine Plattform zu schaffen, welche NFL Scouts anzieht und vielleicht einer unserer Schweizer Spieler einen Platz in einem NFL International Pathway Program erhält. Und dann der erste Schweizer in der NFL sein wird. Und was ich auch hoffe zu sehen: Dass wir es geschafft haben, zu anderen Sportarten aufzuschliessen und Footballer vom Sport leben können.

Manchmal sind wir Schweizer “verchlämti Cheibe”!

Endzone.ch: Und wie machen wir das? Dafür müsste die Football Community noch grösser und stärker werden.

Hänni: Wir müssen die Sportart noch populärer machen. Mehr Medienpräsenz, mehr Zuschauer und folglich mehr Sponsoring. Je mehr Geld fliesst, desto eher kann etwas an die Spieler zurückfliessen. Deutschland und die NFL Spiele zeigt, dass der Hype real ist. Football ist in Deutschland angekommen. Und Deutschland ist nicht weit von uns weg. Und ja, wir müssen offener werden. Ich sage es auf Bärndütsch: Manchmal sind wir Schweizer ein bisschen «verchlämti Cheibe». Viele möchten nichts Neues probieren, das Alte bewahren. Dabei sollten wir einfach mehr ausprobieren. Das würde den Football in der Schweiz weiterbringen.

Und wir brauchen natürlich Erfolge: Du weisst wie es ist. Erfolge bringen positive Medienberichte. Mehr Siege als in der letzten Jahr und eine Playoffqualifikation . Das wird uns Medienpräsenz geben. Wenn jeder von uns Guards daran arbeitet, es will und nicht nur für sich selber denkt, dann werden wir das schaffen. Wir brauchen die Attention der Medien, die verschiedenen TV-Anstalten.

Endzone.ch: Wie bekommen wir die anderen Schweizer Teams an Bord?

Hänni: Es ist zugegebenermassen schwierig für einen Verein, wenn deine besten Spieler abgeworben werden. Aber es ist ein Kompliment für die Arbeit des Vereins, für die Entwicklung eines Nachwuchsspielers zu einem Athleten mit Potenzial für die ELF. Das muss und kann man für die Eigenwerbung nutzen. Der Schweizer Liga hat der Eintritt der Guards gut getan. Es gab aus meiner Sicht ein wenig eine Veränderung – auch wenn am Schluss immer noch Calanda Meister wird. Was Thun gezeigt hat, war sehr eindrücklich. Ich bin überzeugt, es hat den Schweizer Football ein wenig aufgerüttelt.

Endzone.ch: Was möchtest du den Fans für eine Botschaft mitgeben?

Hänni: 2024 ist ein neues Jahr. Ich hoffe, dass viele von euch wieder dabei sein werden. Uns unterstützen, Lärm produzieren und uns anfeuern. Es war so laut im Sommer, dass sowohl Stuttgart Surge als auch die Swarco Raiders Mühe bekamen. Das ist ein tolles Zeichen für unser Publikum. Hut ab Fans! Es hat «gfägt» in diesem Stadion in Wil!

Dieses Interview wurde am Mittwoch 13. Dezember via Zoom geführt.
Photo credit: Lars Kauz, Rico Doninelli

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